Dekanat Rodgau

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Bericht an die Dekanatssynode

kfDekan Carsten Tag.

8. Tagung der IX. Synode des
Evangelischen Dekanats Rodgau


Samstag, 9. September 2019
Evangelisches Gemeindezentrum Seligenstadt
Bericht des Dekans an die Dekanatssynode

(Es gilt das gesprochene Wort.)

Lieber Präses, verehrte Synodale, werte Gäste,
liebe Schwestern und Brüder!

In meinem ersten Teil des Berichts gebe ich Ihnen wie gewohnt einen Überblick über die „Lage im Dekanat“, verbunden mit einem Ausblick auf die personellen Veränderungen, auf wichtige Themen und Termine.

In einem zweiten Teil befasse ich mich heute mit den Ergebnissen der Freiburger Studie, die uns von Seiten der Kirchenleitung in diesem Frühjahr vorgelegt wurde. In der Studie wird die weitere mögliche Entwicklung der EKHN für die nächsten Jahre und Jahrzehnte beschrieben. Dies verbinde ich mit der Frage, was diese Ergebnisse für uns im Dekanat bedeuten könnten.

Aber machen wir den ersten vor dem zweiten Schritt…und starten mit dem Überblick:

Zum 1. Juni konnten wir Pfarrer Reitz in der Evangelischen Kirchengemeinde Seligenstadt und Mainhausen begrüßen – damit ist die ausgeschriebene 1,0-Pfarrstelle nach dem Weggang von Pfarrer Martin Franke erfreulicherweise wieder besetzt! Zum 1. Januar 2020 wird Pfarrerin Schweiger zudem die Nachfolge von Pfarrerin Sacher in der Evangelischen Kirchengemeinde Heusenstamm im Umfang einer halben Stelle antreten. Verlassen hat uns hingegen Pfarrer Meier-Röhm in der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde Mühlheim, und nach wie vor vakant ist die halbe Stelle in der Kirchengemeinde Steinheim.

Im Bereich des Gemeindepädagogischen Dienstes ist Frau Gibhardt in der Evangelischen Kirchengemeinde Hainburg im Sommer in den Ruhestand gegangen; dorthin wird Frau Fäscher – bisher mit ganzer Stelle in Klein-Auheim eingesetzt – mit halber Stelle nachfolgen. Von Herrn Jung, in der Kirchengemeinde Nieder-Roden eingesetzt, haben wir uns hingegen zum 30. Juni verabschieden müssen.

Erfreulicherweise wird Frau Munz-Sundhaus, Geschäftsführererin im Arbeitsbereich "Evangelische Kindertagesstätten", nach ihrer Langzeit-Erkrankung ihren Dienst zum 1. Januar 2020 wieder aufnehmen. Das freut uns sehr! Ebenfalls zum 1. Januar werden wir von Seiten des Dekanats die juristische Trägerschaft für die beiden Evangelischen Kindertagesstätten in Seligenstadt übernehmen.
Wir sind zuversichtlich, dass wir es mit vereinten Kräften von Kirchenvorstand, Kita-Team, Geschäftsführung und Trägervorstand schaffen, einen Mehrwert für alle Beteiligten – und vor allem für die Kinder und deren Familien – zu erzielen. Schon an dieser Stelle sei den beiden Kitas ein fröhliches Willkommen zugerufen: Wir freuen uns auf Euch!

Die Einführung des neuen Arbeitsbereiches „Evangelische Kindertagesstätten“ war sicherlich eine der wesentlichsten Strukturveränderung der letzten Jahre bei uns im Dekanat. Grundsätzlich sehe ich uns dabei auf einem guten Weg – gerade, was die Entlastung der Kirchenvorstände von Verwaltungsarbeit angeht, wie auch die trägerseitige Unterstützung und damit Stärkung der einzelnen Kitas.

Nach nunmehr fast zwei Jahren, in denen wir mit diesem neuen Arbeitsbereich Erfahrungen sammeln konnten, möchten wir gerne gemeinsam mit Ihnen in den beteiligten Kirchenvorständen und Kita-Leitungen ein erstes Zwischenfazit ziehen und kommen dazu gerne demnächst mit einem Gesprächsangebot auf Sie zu.

Welchen aktuellen Punkt habe ich noch nicht ausgeführt? Ja, richtig: die Dekanatsfusion. Der 1. Januar 2021 naht – und damit konkretisieren sich auch die nächsten zu realisierenden Arbeitsschritte. So findet die Frühjahrssynode nächstes Jahr wieder als gemeinsame Tagung beider Synoden aus Dreieich und Rodgau statt – passenderweise am Tag des Frühlingsanfangs, dem 20. März.

Auf der Agenda werden da vor allem die Vorstellungen der bis dahin erarbeiteten Konzeptionen stehen – geplant ist die für den GPD, die Kirchenmusik, die Öffentlichkeitsarbeit und eventuell für den Bereich der Klinik- und Alten-, Kranken- und-Hospiz-Seelsorge.

Auch einen Vorschlag für einen gemeinsamen Namen werden wir Ihnen dann hoffentlich präsentieren können – und vielleicht sogar einen ersten Entwurf für den neuen Sitz des Dekanats in der Rodgaustraße in Dietzenbach. Hier befinden wir uns nach wie vor in konstruktiver Abstimmung mit dem Kirchenvorstand der Christus-Gemeinde Dietzenbach und der Zentralen Pfarreivermögensverwaltung der EKHN.

Für den Herbst nächsten Jahres planen wir einen hoffentlich würdigen Abschluss unserer Tagungen als Synode des Evangelischen Dekanat Rodgau – ich verspreche Ihnen: Es soll trotz mancher damit sicherlich verbundener Wehmut nicht den Charakter einer Trauerfeier annehmen.

Zu Ende gehen zum 31.12.2020 auch die Amtsperioden der derzeitigen Dekanatssynodalvorstände in beiden Dekanaten, inkl. die der Präsides und der Dekane. Von daher können Sie sich schon mal darauf einstellen, dass Sie in der konstituierenden Sitzung der gemeinsamen Synodentagung des fusionierten Dekanats im Januar 2021 ein wahrer Wahlmarathon erwarten wird.

Zur Erinnerung: Die Amtsperiode für Sie als Synodale geht über 2020 hinaus bis ins Jahr 2022 hinein. Von daher werden Sie eine der Konstanten in all den Veränderungen und Wechsel darstellen!

Der von Ihnen auf der letzten Tagung beschlossene Dekanatssollstellenplan für die Jahre 2020 bis 2024 wurde mittlerweile von der Kirchenverwaltung genehmigt. Auf dieser Grundlage sind wir nunmehr in Abstimmung mit der Pröpstin und dem DSV Dreieich dabei, auch die Ausschreibungen für die 1,0-Dekane-Stelle und für die 0,5-Stelle eines/r stellvertretenden Dekans/Dekanin vorzubereiten: Die 1,0-Stelle wird im nächsten Frühjahr EKHN-weit ausgeschrieben und soll dann im Januar 2021 durch Wahl besetzt werden. Die 0,5-Stelle überlegen wir erst einige Monate später zur Wahl zu stellen, wenn klar ist, wer die 1,0-Dekanestelle innehaben wird.

Möglicherweise fragt sich hierbei der eine oder die andere, ob ich vorhabe, mich für diese Stelle zu bewerben. Meine Antwort darauf lautet: ja, grundsätzlich gerne. Denn das Amt macht mir nach wie vor Freude! Zugleich denke ich, dass es gerade in den Anfangsjahren eines zusammengelegten Dekanats hilfreich sein könnte, wenn die Verantwortung für dieses wundervolle wie anspruchsvolle Amt in den Händen einer Person liegt, die bereits das Knowhow, viele Erfahrungen und – ganz wichtig – auch Kenntnisse über das Dekanat mitbringt.

Und zugleich sehe ich, dass es auch durchaus Argumente dafür geben könnte, dass es in einem neuen Dekanat auch eine neue Person sein sollte, die die Geschicke aus diesem Amt heraus mit leitet.

So oder so: Ich selber befinde mich in einer Phase der Orientierung, gilt es doch auch für mich und für uns als Familie zu schauen, wie der nächste berufliche Schritt und damit verbunden auch unsere Wohnsituation aussehen könnte.

Von daher bin ich für jede Rückmeldung im Hinblick auf eine mögliche Kandidatur meinerseits dankbar, sei sie unterstützend und positiv oder sei sie eher kritisch und zurückhaltend. Ich verspreche Ihnen auch: Ich bin nicht nachtragend – weder in die eine noch in die andere Richtung…

Verehrte Synodale, werte Gäste, liebe Schwestern und Brüder: Ich komme in meinem zweiten Schritt zu den Ergebnissen der Freiburger Studie und meinen Überlegungen dazu:

Die so genannte Freiburger Studie wurde im Auftrag der beiden großen Kirchen von dem Forschungszentrum Generationenverträge der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg erstellt. Die Studie beschreibt in einer langfristigen Projektion die Entwicklung der Kirchenmitglieder und des Kirchensteueraufkommens bis zum Jahre 2060. Dabei wurden die Zahlen der vergangenen Jahre in die – zugegebenermaßen sehr weitreichende – Zukunft gespiegelt.

Kurz gefasst lassen sich die Ergebnisse folgendermaßen zusammenfassen:

  • Die Zahl der Mitglieder wird sich bis 2060 aller Voraussicht nach halbieren.
  • Das liegt zu knapp der Hälfte an der demografischen Entwicklung: Es sterben mehr evangelische Kirchenmitglieder als dass Kinder eines Paares geboren werden, von dem zumindest ein Elternteil evangelisch ist.
  • Der Mitgliederrückgang ist jedoch zu mehr als der Hälfte durch das Tauf-, Austritts- und Aufnahmeverhalten bedingt – und das ist im Vergleich zu den bisherigen Annahmen eine neue Erkenntnis.
  • Die meisten Kirchenaustritte erfolgen dabei zwischen dem 25. und dem 35. Lebensjahr (rund ein Drittel aller Austritte fallen in diese Altersspanne).
  • Es sind die Jahre, in denen viele den ersten Gehaltsscheck erhalten und sich die Frage nach der Kosten-Nutzung-Rechnung stellen – und es sind zugleich die Jahre, in denen wir als Evangelische Kirche mit nur recht wenigen Angeboten präsent sind.
  • Zur Entwicklung des Kirchensteueraufkommens: Kaufkraftbereinigt liegen wir in 2060 nach dieser Prognose bei 46 Prozent von heute, d.h. wir haben hier einen Rückgang von über der Hälfte dessen, was uns derzeit zur Verfügung steht.

Soweit einige der wesentlichen Ergebnisse der Studie in aller Kürze zusammengefasst. Auf Ihren Tischen liegend finden Sie noch weitere Informationen dazu.

Liebe Schwestern und Brüder,

eine erste vorsichtige Einordnung von mir dazu: Der in der Studie zugrunde gelegte Zeitraum bis 2060 erscheint möglicherweise nicht nur mir als sehr lang. Wir alle wissen nicht, was in den nächsten 40 Jahren passieren wird. Und wenn wir auf all die massiven Veränderungen in den letzten vier Jahrzehnten zurückblicken, dann wird deutlich, mit wie vielen Fragezeichen eine solche Prognose behaftet ist.

Unterm Strich jedoch beschreibt die Studie Entwicklungen, die bereits sehr lang andauern: So waren 1968 noch 96 Prozent aller Bundesbürger Mitglied in einer der beiden großen Kirchen. Heute sind es nur noch knapp 52 Prozent.

Allein in den vergangenen zehn bis zwölf Jahren haben z. B. wir im Dekanat Rodgau ca. 20 Prozent an Mitgliedern verloren: von 52.000 auf jetzt nur noch 42.000. Auch aus der jüngeren Vergangenheit liegen ähnliche Zahlen vor: EKHN-weit lag der Rückgang im Jahr 2018 bei 2,1 Prozent und damit weit über dem, was unseren bisherigen Annahmen zugrunde lag. So gehen wir ja z. B. beim Dekanatssollstellenplan für 2020 bis 2024 von einem Rückgang von nur 1,4 Prozent aus. Und die Kolleginnen und Kollegen aus den Pfarrämtern berichten, dass es auch in den vergangenen Monaten leider wieder hohe Zahlen an Austritten gegeben hat.

Das ist eine Entwicklung, die nicht nur mir, sondern sicherlich uns allen großen Kummer und Sorgen bereitet. Zudem müssen wir feststellen: Trotz aller Anstrengungen und noch so guter Arbeit vor Ort in den Gemeinden oder auf Dekanatsebene in der Region – wir können diese Entwicklung im Ganzen nicht aufhalten. Die gesamtgesellschaftlichen Veränderungen hin zur Individualisierung, Pluralisierung und Säkularisierung sind zu wirkmächtig und betreffen zudem nicht nur uns als Kirchen, sondern alle großen Institutionen und Einrichtungen.

Was also gilt es zu tun? Die Augen zu schließen und auf bessere Zeiten hoffen? Hoffen ja, immer – aber ansonsten nichts zu tun ist für mich keine Lösung! Von daher gilt es, sich der Situation zu stellen.
Die Kirchenleitung ist so auch von der Synode beauftragt worden, für die nächste Tagung eine Liste mit Prioritäten zu erstellen – und davon abgeleitet eine mit Posterioritäten: Was gilt es nach Möglichkeit zu erhalten? Wovon müssen wir uns – schweren Herzens – verabschieden?

Dahinter steht für mich die Frage nach dem leitenden Kirchenbild: So macht es einen Unterschied, ob ich mir eine öffentliche Kirche der Vielfalt wünsche, die auf dem Marktplatz genauso zu Hause ist wie im Gotteshaus und im Miteinander der Professionen und von Haupt- und Ehrenamtlichen die Menschen in ihren unterschiedlichen Lebensbezügen anspricht und für eine gerechtere und friedvolle Welt eintritt.
Oder ob ich mir eine Kirche wünsche, die sich auf den Kreis der Hochverbundenen zurückzieht und ihre Aufgabe im Wesentlichen in Gottesdienstfeiern, Gebetskreisen und diakonischen Aufgabe sieht.

Je nachdem, welchem Kirchenverständnis ich folge, hat dies Auswirkungen auf die soziale Gestalt von Kirche, auf ihre Gebäude, auf die Verteilung der Pfarrstellen, den Einsatz der finanziellen Ressourcen…
Solche Verständigungs- und Entscheidungsprozesse werden wir sicherlich in den nächsten Jahren gesamtkirchlich und letzten Endes auch bei uns auf Dekanatsebene verstärkt zu führen haben.

Was mich zudem umtreibt, ist die Sorge um das Wohlergehen all derjenigen, die sich bei uns z. B. als Pfarrerinnen und Pfarrer, als Kirchenvorstandsmitglied oder als ehrenamtliche Leitung eines Kreises mit so viel Herzblut und Engagement einbringen: Die Belastung steigt seit langem auf vielfältige Weise, sei es durch zusätzliche Vakanz- und Vertretungsdienste, durch neue rechtliche Anforderungen wie das Umsatzsteuergesetz oder das Wenigerwerden an Teilnehmenden. Und machen wir uns nichts vor: Diese oder ähnliche Anforderungen werden zunehmen.

Wie können, wie müssen die Rahmenbedingungen also aussehen, damit wir alle – sei es haupt- oder ehrenamtlich – auch in Zukunft unseren Dienst noch gut, gerne und wohlbehalten ausüben können?
Liebe Synodale, werte Anwesende: Darüber möchte ich verstärkt mit Ihnen ins Gespräch eintreten!
Wir sind auch schon seit längerem dabei – so zum Beispiel auf der gemeinsamen Klausurtagung aller Pfarrinnen und Pfarrer aus den beiden Dekanaten letztes Jahr in Heppenheim und auch nächstes Jahr wieder auf der Klausurtagung.

Im Konvent am letzten Mittwoch habe ich dazu mein Kirchenbild sowie mögliche Linien der Weiterentwicklung der sozialen Gestalt von Kirche beschrieben. Für den 26. November laden unser Präses und ich zu diesem Thema wieder die Vorsitzenden unserer Kirchenvorstände ein, nachdem wir bereits beim letzten Mal mit Pfarrer Eberl von der Kirchenverwaltung über die Chancen gesprochen haben, die das neue Gesetz zur regionalen Zusammenarbeit bietet. Und sicherlich werden wir auch im DSV über den einen oder anderen Vorschlag noch sprechen, den wir Ihnen dann gerne vorstellen werden.

Sehr erfreulich finde ich es in dem Zusammenhang, dass unsere beiden Gemeinden in Rödermark, die Kirchengemeinde Ober-Roden und die Petrusgemeinde Urberach, den Schritt hin zu einem gemeinsamen Kooperationsraum gegangen sind: Herzlichen Glückwunsch! Damit sei Ihr die ersten bei uns im Dekanat!

Auch erinnere ich gerne daran, dass wir Gemeinden, die ähnliche Überlegungen anstellen und dazu z. B. externe Beratung benötigen, 1000 Euro aus den Haushaltsmitteln des Dekanats als Unterstützung zur Verfügung stellen.

Für heute aber, glaube ich, soll es soweit erst einmal genügen, die Frage, wie wir uns die Zukunft der Kirche insgesamt und vor allem bei uns im Dekanat vorstellen, zu skizzieren und Ihnen ans Herz zu legen.

Bei all unserem Mühen und Trachten dürfen wir dabei ja Gott sei Dank gewiss sein: All unser Tun und Lassen ist aufgehoben in Gottes großem Ja, das er jeden Augenblick neu zu uns spricht. Das möge uns Trost und Kraft geben, die uns gestellten Aufgaben anzugehen.

Ich danke Ihnen!

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