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Botschaft des Kirchenpräsidenten

Pfingsten 2020: Durchgeschüttelt, aufgefangen, begeistert

EKHN/RahnKirchenpräsident Volker Jung bei der VideoaufzeichnungKirchenpräsident Volker Jung bei der Videoaufzeichnung

Die Pfingstgeschichte gehört zu den Liebelingserzählungen von Hessen-Nassaus Kirchenpräsident Volker Jung. Warum, das beschreibt er hier in seiner Botschaft zu einem Fest unter ganz außergewöhnlichen Vorzeichen.

Die Pfingstgeschichte gehört zu meinen Lieblingsgeschichten in der Bibel. Es ist eine Geschichte davon, wie Gott niedergeschlagene Menschen stärkt und zu einer großen Gemeinschaft miteinander verbindet. Ich denke mich immer wieder gerne hinein in diese Geschichte.

Da sitzen die Frauen und Männer, die mit Jesus unterwegs waren, zusammen in einem Haus mitten in Jerusalem. Sie sind durchgeschüttelt von dem, was sie in den letzten Wochen erlebt haben. Mit Jesus sind sie hinaufgezogen nach Jerusalem. Sie erleben innige Gemeinschaft mit ihm, als er mit ihnen Brot und Wein teilt. Dann wird die Gemeinschaft auseinandergerissen. Jesus wird gefangen genommen, gefoltert und gekreuzigt. Der Tod zerreißt die Verbindung. Dann das leere Grab am Ostermorgen. Jesus begegnet ihnen wieder neu. Er lebt. Aber es ist anders als vorher.

Und dann wieder eine Erschütterung. Jesus verschwindet vor ihren Augen und lässt sie ganz alleine zurück. Sie wissen nicht, wie es weitergehen wird. Bis sie am Pfingstfest ergriffen werden von der Kraft des Heiligen Geistes. Sie spüren neue Kraft in sich, gehen hinaus auf die Straßen und fangen an von dem zu reden, was sie erlebt haben. Vor Menschen aus aller Welt erzählen sie ihre Glaubensgeschichten.

Die Glaubensgeschichten sind Geschichten vom Leben und der Kraft zum Leben, die Gott immer wieder schenkt – auch über den Tod hinaus. Sie erzählen begeistert, so dass der Geist Gottes auch andere berührt und ergreift. Und Gottes Geist verbindet Menschen miteinander, die unterschiedliche Sprachen sprechen und einander fremd sind.

Mich beeindruckt, dass mit dieser Erzählung so vieles beschrieben wird, was menschliches Leben ausmacht – mit Tiefen und Höhen, mit Enttäuschungen und Hoffnungen, mit Abstand und Nähe. Vor allem erzählt die Geschichte, dass Gott immer wieder neu zum Leben führt, verschlossene Türen öffnet, Menschen stärkt, begeistert und zusammenbringt.

Wir erleben gerade eine so schwierige Zeit. Viele sehnen sich nach dem normalen Leben, in dem Kinder wieder in Kindergärten und Schulen gehen können und ihre Omas und Opas besuchen können. Ein Leben, in dem Menschen sich treffen können – in kleinen und großen Gruppen und sich endlich einmal wieder ohne Angst vor Ansteckung in die Armen nehmen können. Noch ist das alles nicht möglich. Es ist weiter Vorsicht geboten. Dazu brauchen wir gute Nerven und viel innere Kraft.

Aber nicht nur wir. Die Pandemie trifft Menschen weltweit. Und in vielen Ländern sind es oft wieder einmal die Ärmsten, die besonders betroffen sind. Mich stärkt zurzeit deshalb auch, wenn ich spüre, wie Christinnen und Christen weltweit miteinander verbunden sind und wie sie sich besonders um diejenigen mühen, die besondere Hilfe brauchen. So hat mir etwa der Bischof unserer Partnerkirche in Amritsar in einer Videokonferenz erzählt, wie seine Kirche sich um die Wanderarbeiter in seiner Region kümmert. Es ist für mich ein Zeichen dafür, dass Gottes Geist, der damals in Jerusalem zu spüren war, in uns und unter uns wirkt.

Ich freue mich darauf, am Pfingstmontag in einem Video-Treffen mit Menschen aus unseren Partnerkirchen in Asien, Afrika, Nordamerika und Europa zusammenzukommen. Wir feiern einen Gottesdienst via Bildschirm.

Im Schatten der Coronapandemie wollen wir darum bitten, dass Gottes Geist uns erfüllt und in der Geduld stärkt, die wir jetzt brauchen. Wir bitten um Hoffnung, die ihr Vertrauen auf Gottes Liebe zum Leben setzt. Und um die Kraft des Heiligen Geistes, Gottes Weg gemeinsam in dieser einen Welt zu gehen.

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