Dekanat Rodgau

Angebote und Themen

Herzlich Willkommen! Entdecken Sie, welche Angebote des Dekanates Rodgau zu Ihnen passen. Über das Kontaktformular sind wir offen für Ihre Anregungen.

AngeboteÜbersicht
Menümobile menu

Argumentationstraining, Ausstellung und Politisches Nachtgebet

Kirche gegen Rechts

Carolin JendrickeDie Teilnehmenden des Argumentationstrainings gegen rassistische Positionen beim Erproben von Strategien.

Die evangelische Kirche im Dekanat Dreieich positioniert sich klar gegen rechte, rassistische und andere diskriminierende Positionen. Erst vor kurzem organisierte Gemeindepädagogin Carolin Jendricke ein Argumentationstraining, weitere Veranstaltungen folgen in Kürze.

„Widersprechen – aber wie?“ lautete das Motto des Kurses. Gefördert wurde das Projekt von der Partnerschaft für Demokratie „Vielfalt in Langen“ innerhalb des Bundesprogramms „Demokratie Leben!“ durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Kooperation mit dem Hessischen Ministerium des Innern und für Sport.

Hans-Jürgen Ladinek aus Ludwigshafen und seine Tochter Sarah sind ausgebildete Argumentationstrainer und leiten den siebenstündigen Workshop im Martin-Luther-Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde Langen. Den acht Teilnehmenden zwischen 17 und 70 Jahren geht es vor allem darum, mehr Sicherheit im Umgang mit diskriminierenden Äußerungen zu gewinnen.

Sarah Krause stammt aus Egelsbach und ist beruflich viel mit der Bahn unterwegs. „Insbesondere im Zug und am Bahnhof höre ich immer wieder abwertende Redensarten, aber auch im privaten Umfeld, und da ist es besonders schwierig, dem entgegenzutreten“, findet die 29-Jährige. „Deshalb möchte ich mich besser vorbereitet fühlen.“

Das Seminar beginnt mit dem Sammeln von Beleidigungen und despektierlichen Phrasen, die die Teilnehmenden im Alltag wahrnehmen. Schnell kommen da mehrere eng beschriebene Flipchart-Papiere zusammen. Gemeinsam wird am Vormittag erarbeitet, was Stammtischparolen kennzeichnet und warum es so schwerfällt, sich ihnen gegenüber angemessen zu positionieren.

Der 17-jährige Jonathan Bari nimmt derlei abschätzige Bemerkungen sehr oft auf dem Schulhof wahr: „Die Entwicklung der Gesellschaft ist zum Teil beängstigend. Mir begegnen immer wieder Situationen, in denen ich nicht weiß, wie ich mich am besten verhalte“, sagt der Vorsitzende des Jugendforums Langen. „Aber ich nehme mit, dass es nicht vorrangig darum geht, mein Gegenüber zu überzeugen, sondern meinen Standpunkt klar zu machen und zu verdeutlichen, dass ich mit dem Gesagten nicht einverstanden bin.“

Am Nachmittag widmet sich die Gruppe verschiedenen Taktiken im Umgang mit entsprechenden Aussagen. In Rollenspielen werden diese erprobt und die Teilnehmenden tauschen sich darüber aus, wie es sich anfühlt, in eine solche Diskussion einzusteigen. Eine besonders effektive Vorgehensweise ist das Fragenstellen: „Mit Fragen bringe ich mein Gegenüber in Erklärungsnot und unterbreche das Gepolter“, gibt Trainerin Sarah Ladinek den Mitwirkenden als Tipp an die Hand. „Das Ziel ist nicht, als Sieger vom Feld zu gehen, aber ich sollte meine ‚Duftmarke‘ hinterlassen“, ergänzt ihr Vater. Der pensionierte Polizeihauptkommissar hat mittlerweile unzählige solcher Trainings durchgeführt.

„In der heutigen Zeit ist es besonders wichtig, argumentieren zu können“, stellt Karin Maier fest. Die 70-Jährige erlebte vor kurzem eine unerfreuliche Situation beim Einkaufen und meldete sich daraufhin für den Workshop an. „Ich möchte nicht, dass rassistische und diskriminierende Sprüche bei uns die Oberhand gewinnen. Der Tag heute hat mir dafür hilfreiche Strategien an die Hand gegeben“, ist die Rentnerin überzeugt.

Am Schluss sind sich alle einig, dass sie nun über ein Instrumentarium verfügen, das es ihnen erleichtert, adäquat auf herabwürdigende Gemeinplätze zu reagieren. Als Fazit gibt Trainer Ladinek den Teilnehmenden noch einen wichtigen Satz mit: „Wir sind oft sprachlos, aber wir sind nicht hilflos.“

 

Diese Veranstaltung ist nicht die einzige Aktion der evangelischen Kirche in der Region, die sich gegen Diskriminierung und Rassismus wendet: So lädt der Freundeskreis der Dreieichschule Langen e. V. in Kooperation mit der Evangelischen Kirchengemeinde und der Partnerschaft für Demokratie „Vielfalt in Langen“ Interessierte zum Besuch einer Ausstellung des Demokratiezentrums im Beratungsnetzwerk Hessen ein. Von Dienstag, 17., bis Freitag, 27. November, wird die Ausstellung „RECHTSaußen - MITTENdrin? Rechtsextremismus: Erscheinungsformen und Handlungsmöglichkeiten“ in den Räumen des Petrus-Gemeindehauses (Bahnstraße 46) präsentiert.

Für die Öffentlichkeit ist die Ausstellung mittwochs und donnerstags zugänglich, in der Zeit von 14 bis 15:30 Uhr und 15:30 bis 17 Uhr – sowie auf Anfrage an zusätzlichen Terminen. Einzelpersonen und Gruppen werden um vorherige Anmeldung unter Angabe der Personenanzahl, Kontaktdaten sowie eines verbindlichen Wunschtermins per E-Mail unter demokratieleben@langen.de gebeten.

Außerdem werden sich die Organisatoren des Politischen Nachtgebets bei der nächsten Veranstaltung am Freitag, 20. November, mit diesem Thema auseinandersetzen und mit spannenden Gesprächspartnern diskutieren. Wie Gemeindepädagogin Carolin Jendricke betont: „Wir dürfen nicht müde werden, uns rassistischen und ausgrenzenden Äußerungen entschieden entgegenzustellen.“

 

Diese Seite:Download PDFDrucken

to top