Dekanat Rodgau

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Luthers Apfelbäumchen und die Angst vor dem Virus

von Pfarrerin Brigitte Rohde, Evangelische Kirchengemeinde Hainburg

„Solange die Erde steht,
soll nicht aufhören
Saat und Ernte,
Frost und Hitze,
Sommer und Winter,
Tag und Nacht“

(Erstes Buch Mose • Gemesis
Kapitel 8, Vers 22

Liebe Leserinnen, liebe Leser, 

zu meiner Einführung in der Gemeinde schenkte mir der Kirchenvorstand ein Apfelbäumchen. In diesem Jahr trägt der Baum zum ersten Mal richtig: Immerhin neun Äpfel werde ich ernten können.

Jetzt im September kann man überall voll hängende Apfelbäume sehen. In unserem Garten am Gemeindehaus wird der Nabu mit einer Gruppe von Konfirmandinnen und Konfirmanden Äpfel ernten und den Jugendlichen zeigen, wie die Apfelpresse funktioniert, wie man daraus leckeren Apfelsaft machen und Apfelgelee kochen kann.

Martin Luther hat man die Worte in den Mund gelegt: „Und wenn morgen die Welt unterginge, würde ich noch heute mein Apfelbäumchen pflanzen.“ Sicher ist es nicht, dass er diesen Satz gesagt hat. Aber die Sentenz passt zu seiner Einstellung, das Vertrauen in Gott auch in schweren Situationen nicht zu verlieren. So ist dieser Spruch zu einem Bonmot geworden und gibt Halt, gerade auch Zeiten, die von Krisen überschattet sind.

Dass die Welt aus den Fugen geraten kann, haben Menschen auf allen Kontinenten zu spüren bekommen. Ein Virus stiftet Unruhe, schürt Angst. Fast alles - so empfinden wir es wenigstens - wird auf den Kopf gestellt und verändert unser Leben. Wir leben in Hab-Acht-Stellung: Wann kommt der nächste Lockdown? Vieles ist ins Stocken geraten, wirtschaftliche Krisen haben Existenzen bedroht und zerstört. Zahlreiche Menschen leiden unter den Folgen der Erkrankung. Leider sind auch nicht wenige an Covid-19 gestorben, oft ganz einsam, weil die Angehörigen die Krankenhäuser nicht betreten durften. Und es gibt erschreckenderweise die Leugner, die die Krankheit als reine Verschwörungstheorie verteufeln und die Fakten einfach ausblenden.

Dennoch, Wertschätzung und Solidarität haben neuen Aufschwung bekommen. Vielen wurden die Augen geöffnet, was Menschen in sogenannten systemrelevanten Berufen leisten. Mitarbeitende im Gesundheitswesen haben bis an die Grenze ihrer Belastung und zudem risikobehaftet alles gegeben. Wissenschaftler forschen im Wettlauf mit der Zeit, um einen Impfstoff zu entwickeln.

Trotz allem ist aus der Krise viel Neues entstanden, die Phantasie ist gefragt, Kräfte werden mobilisiert. Das trifft auch auf die Kirche zu. Als Pfarrerinnen und Pfarrer haben wir zusammenm mit vielen anderen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nach Möglichkeiten gesucht, für unsere Gemeinden da zu sein, beispielsweise neue Formate von Gottesdiensten zu entwickeln. Da gibt es nicht nur die zahlreichen Andachten im Fernsehen, auf YouTube oder gar auf der Homepage der Gemeinde, sondern zum Beispiel auch meditative Spaziergänge oder Gartenandachten. Wir feiern die Konfirmation in zwar kleinen Gruppen, dafür aber ganz persönlich. Wir bemühen uns, mit Menschen im Gespräch zu bleiben, Gespräche am Gartenzaun, Telefonate, WhatsApp-Nachrichten, Zoom Meetings, ein postalischer Gruß an die Gemeindeglieder.

Auch die alten Menschen in den Heimen haben wir nicht vergessen. Als die Tür verschlossen blieb, konnten doch immerhin die Fenster geöffnet werden. Mit musikalischen Grüßen von außen haben wir so manchen Heimbewohnern ein Lächeln in das Gesicht gezaubert. Was wir angesichts dieser besonderen Herausforderung an Impulsen aufgreifen und an Ideen entwickeln, das kann unsere Gegenwart neu beleben und unsere Zukunft prägen. Nein, wir sind nicht zur Salzsäule erstarrt, wir wollen Salz der Erde und Licht der Welt bleiben.

Das Leben geht weiter und neues Leben entsteht. Tatsächlich begegne ich vielen, die den Mut haben, Kinder in die Welt zu setzen und sich ihr Vertrauen in die Zukunft nicht erschüttern zu lassen.

Das erinnert mich an Luthers vermeintliches Zitat vom Apfelbäumchen.

Dem Zweifel Zuversicht entgegenzubringen, der Angst mit Mut zu begegnen, den Kopf nicht in den Sand zu stecken, sich an Gottes Zusage zu erinnern:

„Solange die Erde steht,
soll nicht aufhören
Saat und Ernte,
Frost und Hitze,
Sommer und Winter,
Tag und Nacht.“
(Gen. 8,22).

Das wünsche ich Ihnen von Herzen!

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