Dekanat Rodgau

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Trauer mit mir

Gedanken zur aktuellen Impulspost der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN)

von Pfarrerin Brigitte Rohde, Evangelische Kirchengemeinde Hainburg

»Deshalb tröstet einander und richtet euch gegenseitig auf.«

Erster Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Tessalonich
Kapitel 5, Vers 11

Er liegt in seinem Pflegebett, 94-jährig. Die Augen sind meistens geschlossen. Manchmal öffnet er sie und schaut in eine unbestimmte Ferne, schräg hoch an die Decke. Das Reden hat er fast eingestellt, das Gehör hat stark nachgelassen. Allerdings: Wenn sich die Tür zu seinem Zimmer öffnet, wendet er sein Gesicht sofort dorthin. So auch an diesem Tag. Eine junge Frau betritt den Raum, auf dem Arm ein Baby, etwa fünf Monate alt.

Intensiv schaut er die beiden Hereingekommenen an. Ja, die Frau kennt er. Sie ist ihm vertraut. Das sieht man ihm deutlich an. Auf das kleine Kind blickt er fragend, erstaunt. Lange schaut er. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht. Dann wieder der Blick zu der jungen Frau. Sie ist seine Enkeltochter. Er nickt, langsam und immer wieder, so, als wolle er sagen: Schön, dich zu sehen.

Als sie ihm den Urenkel auf die Bettdecke setzt, streichelt er ihn, bedächtig, wie er es auch früher schon getan hat. Und als die beiden wieder gehen und dabei winken, winkt er zurück, ein letztes Mal.

Ich war krank und ihr habt mich besucht (Mt. 25,36b).
Ich war sterbend und ihr habt mich begleitet.
Ich bin von euch gegangen, aber in eurer Erinnerung bin ich euch noch nahe.

In diesen Tagen haben Sie von unserer Landeskirche die neue Impulspost „Zum Umgang mit Trauer und Trost“ erhalten. Menschen, die um den Tod eines nahe stehenden und geliebten Angehörigen trauern, werden hier in den Blick genommen. Was tut ihnen gut? Wie kann man ihnen helfen? Wie finden sie zurück in den Alltag? Viele Anregungen werden gegeben, die Hemmschwelle zu überwinden, um Trauernden zu begegnen.

Doch nicht erst mit dem Tod beginnt die Trauer und benötigt man Trost. Bereits in der letzten Lebensphase kommt der Abschiedsschmerz, und zwar sowohl bei den Sterbenden als auch bei den Zurückbleibenden. Es fällt schwer loszulassen, so vieles möchte man noch miteinander erleben, bereden, sich spüren und einander nahe sein.

Viele fühlen sich in dieser schweren Zeit allein gelassen, zumal wenn im Sterbeprozess eine intensive Pflege erforderlich ist. Zum Glück gibt es über den Familienzusammenhalt hinaus heute zahlreiche Möglichkeiten, in der letzten Lebensphase Unterstützung und Hilfe zu bekommen. Seit Cicely Saunders 1967 in London das erste Hospiz eröffnete, hat die Hospizbewegung in Deutschland in den 80er-Jahren ihren Anfang genommen und ist rasch gewachsen. Heute gibt es ein breites Netzwerk mit über 120 000 haupt- und ehrenamtlich Engagierten, die sich in Hospizen und im ambulanten Hospizdienst neben Ärzten und medizinischen Fachkräften um Menschen in ihrer letzten Lebensphase kümmern und die Angehörigen beim Abschiednehmen unterstützen.

Wie gut, wenn die Sterbenden noch Glücksmomente haben dürfen. Wie hilfreich, wenn die Angehörigen Trost erfahren. Dieser Trost gibt Kraft für die letzte Wegstrecke. Er macht Mut, wenn man zurückbleibt nach dem Tod.

„Deshalb tröstet einander und richtet euch gegenseitig auf!“ (1. Thess. 5,11)

Es ist ein biblischer Impuls als Wegführer durch den Monat November, in dem uns gleich mehrere Gedenktage an unsere Verstorbenen erinnern.

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