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Die Krux mit der Lüge - oder: 46 Wochen mit Halbwahrheiten

von Pfarrerin Kornelia Kachunga, Evangelische Kirchengemeinde Obertshausen

"Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, sodass ich Berge versetzen könnte, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und meinen Leib dahingäbe, mich zu rühmen, und hätte der Liebe nicht, so wäre mir's nichts nütze. Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles. Die Liebe höret nimmer auf.“

1. Korinther 13, 1-8

Liebe Surferin, lieber Surfer auf der Homepage des Evangelischen Dekanats Rodgau!

Seit circa zwei Wochen ist sie beendet, die Fastenzeit. Zum Glück, möchte ich sagen, denn das Thema der diesjährigen Fastenaktion der EKD hatte es in sich: „7 Wochen ohne Lügen“ hieß es da provokativ. Ist doch nicht so schwer, werden die einen gedacht haben. Kommt gar nicht in die Tüte, war die Reaktion anderer.

Und ich? Ich liebe Wahrheit. Ja, ich würde mich sogar als Wahrheits-Suchende bezeichnen. Authentizität in meinem Beruf ist mir wichtig. Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit sind mein Lebensmotto. Aber schon Pontius Pilatus stellte die fast nicht zu beantwortende Frage bei Jesu Vernehmung: „Was ist Wahrheit?“ Ebenso tiefsinnig könnte ich fragen: „Was ist Lüge?“

Wenn ich in die Bibel schaue, entdecke ich dort ganz viele Lügner, deren Lügen sprichwörtlich kurze Beine hatten und entlarvt wurden. Zum Beispiel die Lüge, die dem Streit der beiden Mütter im 1. Buch Könige, Kapitel 3, zu Grunde liegt. Die eine Mutter leugnete, dass ihr eigenes Kind gestorben sei und behauptete, dass das überlebende ihr Kind sei. Erst durch die Weisheit Salomos konnte das von Neid, Missgunst und Trauer geplagte Herz der Lügnerin offenbar werden.

Oder Petrus, der vor Jesu Verhaftung hoch und heilig verspricht, ihm zu folgen und treu zu bleiben bis in den Tod und schon kurze Zeit später nach seiner Verhaftung dreimal leugnet, ihn überhaupt gekannt zu haben (Markusevangelium, Kapitel 14). Bei ihm reichte das eigene schlechte Gewissen, um die Lüge zu entlarven.

Allerdings erzählt uns die Bibel auch von Lügnerinnen, die Gott sogar belohnt hat. Ägyptische Hebammen sollen die neugeborenen Jungen der Hebräerinnen töten, denn der Pharao hat Angst vor diesem sich vermehrenden und erstarkenden Sklavenvolk. Die Hebammen wollen aber lieber Leben retten als töten und belügen den Pharao, indem sie ihm erzählen, dass die hebräischen Frauen so schnell gebären, dass sie regelmäßig zu spät kommen. (2. Mose 1, 19-20)

Sind also Notlügen erlaubt und sogar in Gottes Augen in Ordnung? Ich will mal so sagen: Lügen heißt für mich nicht, einfach nur die Unwahrheit zu sagen, sondern viel wichtiger ist, aus welchem Antrieb heraus gelogen wird und was die Frucht der Lüge ist.

Um mich oder andere vor Schlimmerem zu bewahren, ist es durchaus erlaubt, nicht die ganze Wahrheit zu sagen. Die große Herausforderung hierbei ist und bleibt allerdings, das wirklich Schlimmere im Vorhinein abzuwägen. Hilft es mir oder einem anderen, wenn ich in dieser Situation lüge?!

Den Hebräerinnen und den überlebenden Jungen und letzten Endes dem ganzen hebräischen Volk haben die Lügen der Hebammen geholfen und sie selbst hatten auch keinen Schaden davon.

Petrus hingegen fühlt den Schmerz seiner Lüge in der eigenen Brust, weil er den, den er liebte, belogen und betrogen hat. Die Beziehung zu Jesus hat einen Knacks bekommen. Dieses Vertrauen muss Jesus im Nachhinein erst wieder herstellen (Johannes 21).

Die Lüge der totgebärenden Mutter, die das neugeborene der anderen entführt hat, hätte den Tod des überlebenden Säuglings in Kauf genommen. An diesen schlechten Früchten und Konsequenzen erkennen wir das Übel der Lüge aus boshaftem Antrieb.

Und auch Lügen aus Höflichkeit mögen in einem besonderen Moment hilfreich sein, auf Dauer aber eher schlechte Frucht hervorbringen. Ein einmal gelogenes Kompliment aus Liebe zum anderen mag den Tag retten, werden Nettigkeiten aber regelmäßig zum unehrlichen Deckmantel für verloren gegangene Gefühle in einer Beziehung, ist diese nicht mehr lange haltbar.

Darum mag der gut dran sein, der sowohl mit Wahrheit sorgsam als auch mit Halbwahrheiten verantwortungsvoll, nüchtern und weise umgehen kann! Denn schon Paulus hat in seinem Hohelied der Liebe der Wahrheit nicht die Lüge sondern die Ungerechtigkeit gegenüber gestellt.

Einen schönen Mai wünscht Ihnen
Ihre Pfarrerin Kornelia Kachunga aus Obertshausen

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