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Wunderbar gemacht

von Kai Fuchs, Fachstelle Öffentlichkeitsarbeit im Evangelischen Dekanat Rodgau

Mittwochmorgen. Geburtstag. Blick in den Spiegel. Oh wei, jetzt auch noch Augenringe. Nein, halt: sogar Tränensäcke. Und ÜBER den Augen ist das Bindegewebe auch schon das Klügere und gibt nach. Naja, was willste machen mit jetzt 42?

Wie war das vor einer Woche, Aschermittwoch, auf Seite eins im Fastenkalender? „Du bist wunderbar gemacht.“ Ob der Texter von Psalm 139 auch Augenringe hatte, als er das geschrieben hat: „Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin.“

„Wunderbar“ ist kein dehnbarer Begriff. Es ist nicht „okay“, oder „nett“, „geht schon“ oder „ganz gut“. „Wunderbar“ ist das Non-plus-ultra. Der Superlativ. Nix zu meckern!

Also nee, wunderbar ist anders. Und außerdem: Ihr Fastenkalender-Autoren kennt mich doch gar nicht. Und Eure ganzen anderen Leserinnen und Leser auch nicht. Sind die denn auch alle wunderbar gemacht? Und wenn alle wunderbar sind, wo ist denn dann noch Platz für Individualität?

Ich blättere weiter im Fastenkalender: Eine Braut mit üppiger Figur. Ein Mann mit Glatze. Ein weiterer mit schlechten Zähnen. Und trotzdem strahlt er mit der Sonne um die Wette. Mir dämmert etwas: Meinen die von „Sieben Wochen ohne…“ die innere Haltung? Dass es auf das Äußere nicht ankommt? Oder dass es auf die Meinung unserer Mitmenschen nicht ankommt? Dass es NUR darum geht, dass wir uns selbst annehmen, wie wir sind? Dass wir ein bisschen gnädiger sind mit uns? Mit den anderen?

Okay, von der Perfektion habe ich mich ja schon länger verabschiedet. Aber trotzdem finde ich, sollte sich jeder Mensch darum bemühen, etwas aus sich zu machen. Nicht nur aus dem Körper und dem Äußeren. Auch aus dem eigenen Herzen, der Seele und dem Verstand. „Mach was aus dem, was ich Dir geschenkt habe“ – vielleicht hat der liebe Gott das gemeint, als er mich in die Welt gesetzt hat.

Und die Leute von den Fotos im Kalender? Was maße ich mir da an, wenn ich an Hand eines Fotos darüber urteile, ob und was die aus sich machen? Der eine lacht. Der mit der Glatze badet in einem See. Und die kräftige Frau hat wohl gerade geheiratet. Sie machen etwas aus sich. Aus dem Moment. Sie genießen das Leben. Nicht vor dem Spiegel, sondern in echt.

Der Psalm geht noch weiter:

„Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war“
- also als es noch gar nichts im Spiegel zu sehen gab.

„…und alle Tage waren in dein Buch geschrieben.“
Also geht es dem lieben Gott auch um die Zukunft. Um meine Zukunft.Und darum, dass ich was draus mache. Aus meinem Leben.

Eins mag mir vielleicht noch ein weiterer Trost sein – für die Tage mit den ganz besonders tiefen Augenringen. Der Trost steht auch im Alten Testament, beim Propheten Samuel: „Ein Mensch sieht, was vor Augen ist. Aber Gott sieht das Herz an.“

Der Prophet Samuel ist da gerade auf dem Weg, den zukünftigen König David in Gottes Namen zu salben, als der Höchste ihm diese Worte zuspricht. Samuel soll aus David etwas Besonderes machen. Ihm zeigen, dass er auserwählt ist. Von Gott wunderbar gemacht.

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