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Gottes wunderbares Schmiermittel

von Pfarrer Uwe Handschuch, Evangelische Martin-Luther-Gemeinde Dietzenbach-Steinberg

Monatsspruch für Juni 2019:

"Freundliche Reden sind Honigseim,
süß für die Seele und heilsam für die Glieder.“

Buch der Sprüche, Kapitel 16, Vers 24

Liebe Leserin, lieber Leser,

ganze neun liegt Deutschland hinter Neuseeland, immerhin sechs vor den Vereinigten Staaten und satte 79 Prozentpunkte vor Somalia - auf der Skala des CDI, des „Corruption Perceptions Index“, also des Korruptionswahrnehmungsindex, der seit 1995 jährlich von Transparency International herausgegeben wird. Der CPI vergleicht das Korruptionsniveau im öffentlichen Sektor von 180 Staaten. Je mehr in einem Land nach dem Motto „Wer gut schmiert, der gut fährt“ verfahren wird, desto tiefer sinkt der CPI.

Unser Land liegt also glücklicherweise auf einem der vorderen Plätze. Die Zeiten, zu denen man einem Antrag auf einem Amt ein paar Geldscheine beilegte, um dessen Bearbeitung zu beschleunigen oder dem Entscheider die Entscheidung in erwünschter Richtung zu erleichtern, liegen offenbar hinter uns: Geld als Schmiermittel spielt keine Rolle mehr bei amtlichen Kontakten.

Dafür sorgen auch relativ strenge Bestimmungen,. die es zum Beispiel Angeordneten. Lehrerinnen oder auch Pfarrern nicht gestatten, ab einem bestimmten Wert persönlich zugedachte „Geschenke“ anzunehmen, auch wenn sie noch so liebevoll und ohne Hintergedanken gedacht sein mochten.
Allerdings gibt es auch völlig unverdächtige Mittel, den gesellschaftlichen Klima-Index positiv zu beeinflussen - und dann sogar so, dass alle etwas davon haben. So hatten der Senioren- und der Ausländerbeirat der Stadt Dietzenbach vor inzwischen neun Jahren die Aktion „Wir grüßen einander“ ins Leben gerufen. Ziel: Das gegenseitige Grüßen soll in unserer Kreisstadt überall gegenwärtig werden. Leider ist das grußlose Aneinandervorbeigehen immer noch der Normalfall. Als einseitig Grüßender erntet man zwar manchmal befremdete Blicke, aber doch viel öfter ein freundliches Lächeln.

Das biblische Wort zum Monat Juni ist für mich so etwas wie die Bestätigung dieses hehren Grußvorhabens: Freundliches Reden ist heilsam für die seelische Gesundheit einer Gesellschaft, und der freundliche Gruß ist dazu ein guter Einstieg. Im Buch der Sprüche wird die Freundlichkeit sogar „Honigseim“ genannt, ein altes deutsches Wort für Nektar, und der ist in der antiken Mythologie bekanntlich nicht nur die Nahrungsquelle der Bienen, sondern ein wahrer Göttertrank. Mit einem freundlichen Wort speise ich meinen Mitmenschen also nicht ab, sondern behandle ihn schon fast göttlich.

Und als Christenmensch darf ich sogar darauf vertrauen, dass unser Gott seiner Menschenfreundlichkeit Hand und Fuß gegeben hat, als er seinen Sohn Jesus Christus als Menschensohn auf die Erde sandte (Titus 3, 4f): nicht um uns Menschen zu bestechen oder unsere Taten zu korrumpieren, sondern um uns seine Liebe zu erweisen und uns seine heilsame Nähe spüren zu lassen. Vielleicht spielt deshalb ja auch immer noch das Grüßen in unseren Gottesdiensten eine Rolle: „Der Herr sei mit euch!“ „Und mit deinem Geist!“

Es grüßt Sie ebenso freundlich
Ihr Pfarrer Uwe Handschuch

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