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Wenn der Lebensmut dahin ist – Elias Rücktrittsgesuch

von Pfarrer Benjamin Graf, Evangelische Kirchengemeinde Nieder-Roden

Der Engel des HERRN rührte Elia an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.

(1. Könige 19, 7)

privat

Elia, der sichere im Glauben: Gerade hat Elia, der letzte Prophet des HERRN, es mit allen Baals-Priestern aufgenommen.

Elia, der Prophet des einzig wahren Gottes: Gerade hat Gott verzehrendes Feuer vom Himmel geschickt, um Elia als Prophet des Höchsten und den Gott Israels als einzig wahren Gott zu bestätigen.

Elia, der Eiferer für Gott: Gerade hat er hunderte Baalspriester umgebracht.

Jetzt flieht er vor dem Zorn der Isebel. Er hat Angst. Er „machte sich auf und lief um sein Leben“ (1. Kön 19,3). Er will nicht mehr leben: „Es ist genug, so nimm nun, HERR, meine Seele.“

Auch Jona nutzte die gleichen Worte: „So nimm nun, HERR, meine Seele von mir; denn ich möchte lieber tot sein als leben.“ (Jona 4,3) Jona bewegte der Zorn und möglicherweise die Scham; Elia bewegte die Angst, seiner Feindin ausgeliefert zu werden und einen schmachvollen Tod zu sterben.

Welch ein Bruch der Glaubensstärke! Wie kann sich jemand, der so sicher auf Gottes Beistand vertraut, so vor einem Menschen ängstigen? Wie reagiert Gott auf diese plötzliche Resignation Elias?

Nicht etwa mit einem Vorwurf: „Warum glaubst du denn nicht, dass ich dir helfe?“
Auch nicht mit Durchhalteparolen: „Sei kein Weichei! Jetzt rappel dich mal auf!“

Er gönnt ihm die Ruhe des Schlafes. Ein Engel begegnet ihm, versorgt ihn mit Essen und Trinken. Der Engel rührt ihn an, erdet ihn, bringt ihn zur Ruhe. „Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.“

Die Aufforderung leugnet nicht die Schwere des Weges, sondern ermutigt, den langen Weg zu gehen. Für Elia ist es ein 40-Tage-Marsch zum Horeb, dem Berg Gottes, wo Elia Gott erneut begegnet.

Gott begegnet, stärkt und weist den Weg. Ich finde bemerkenswert, wie häufig es in der Bibel zu solchen Flucht-aus-dem-Leben-Episoden mit Gottesbegegnungen kommt: Hagar flieht, weil sie es unter Sara nicht aushält; Mose flieht, weil er die Strafe des Pharao fürchtet; Jona flieht, weil er sich seinem Auftrag nicht gewachsen fühlt – und will dann nicht mehr leben, als Gott die angekündigte Strafe aussetzt. Es sind unzählige Fluchten.

Gerade in diesen Momenten der Flucht und Überforderung begegnet Gott. Im Gefühl von Verzweiflung und Ausweglosigkeit eröffnet sich eine neue Perspektive.

Ich glaube, all diese Begegnungen haben eins gemein: Die Aufgewühlten und Mutlosen treten heraus aus ihrem alten Leben und kommen in eine angestrengte Ruhe: Aufgewühlt suchen sie nach Ausweg und Rat; aber sind fernab vom Trubel des Alltages.

Unsere Wege im Leben sind nicht immer einfach: Arbeitslosigkeit und Armut, alleine ein Kind erziehen, plötzliche Schicksalsschläge aushalten. All diese Dinge kann man nicht mit einem Stoßgebet wegzaubern. Auch nicht als Christ. Da stehen sich oft zwei Erfahrungen gegenüber: Die Verzweiflung im und am Leben und die Erfahrung, dass Gott uns durch schwierige Phasen des Lebens getragen hat, Gebete erhört wurden und wir im Glauben hohe Mauern überwunden haben.

Für mich sind die Erzählungen der großen Glaubensvorfahren entlastend: Wenn schon jene verzweifelten und Gott sie durch alles trug, dann wird Gott auch mich halten. Ich kann die Länge und Schwere mancher Wege ernstnehmen und in Gott Stärkung finden, diese Wege zu gehen. Sicher, dass Gott mich irgendwie durch jene Phasen begleiten wird, nehme ich die Hilfe anderer an. Denn sie können mir zum Engel werden, durch den Gott mich durch schwierige Lebensphasen begleitet.

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