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Unbändige Freude

von Pfarrer Ralf Feilen, Evangelisches Dekanat Rodgau

„Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels! Denn er ist seinem Volk zu Hilfe gekommen und hat es befreit. Er hat uns einen starken Retter gesandt.”
Lukasevangelium 1, 68 + 69 (Basisbibel)

Liebe Leserin, lieber Leser,

Wenn ein Mensch die Hoffnung verliert, wird er stumm. Wenn ein Mensch im Glauben keinen Halt mehr findet, macht sich Sprachlosigkeit breit.

So ist es Zacharias ergangen. Dieser Priester Gottes hat nicht daran geglaubt, dass Gott auch in seinem Leben ein Wunder vollbringen kann. Er hat es nicht für möglich gehalten, dass er trotz seines hohen Alters Vater werden würde. So hatte es ihm der Engel Gabriel gesagt (Lukas 1, 13).

Unbändige Freude war ihm durch die Geburt seines Sohnes versprochen. Ein Sohn im Geist und in der Kraft des Propheten Elia, der die Herzen des Volkes bekehren sollte. Was für eine großartige Nachricht! Und Zacharias antwortet mit dem Aber des Zweifels und verstummt auf Geheiß des Engels.

Als der Junge schließlich geboren ist, gibt Zacharias per Schreibtafel dessen Namen bekannt: Johannes (= Gott ist gnädig). Der Glaube an die Verheißung Gottes wird wiederhergestellt. Die Verhärtung des Herzens vergeht. Die Zunge löst sich. Und Zacharias bricht in Lobpreis aus. Er besingt den sehnlich erwarteten Augenblick der Rettung:

"Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels! Denn er ist seinem Volk zu Hilfe gekommen und hat es befreit. Er hat uns einen starken Retter gesandt."

Johannes wird der Täufer sein, der sein Volk darauf vorbereitet, Gott selbst zu empfangen. Gott wird in Jesus Mensch. Er befreit und erlöst aus Elend und Not.

Dieser Lobgesang des Zacharias, das „Benediktus“ (= gepriesen, gesegnet), gehört zu den bedeutendsten Texten des Neuen Testaments. Jeden Morgen wird es im Stundengebet der Kirche gebetet (Evangelisches Gesangbuch Nr. 783.6).

Nach der Stille und dem Schweigen der Nacht folgt der Lobpreis Gottes am Morgen. Die Stummheit findet ein Ende in dem Augenblick, in dem ich mir vergegenwärtige, dass Gott zu uns Menschen kommt als Mensch, freundlich und zugewandt. Alles verändert sich, weil sich das Zentrum unseres Lebens verschiebt: Christus in der Mitte. Der Tag verläuft anders, das ganze Leben lebe ich anders mit Gott im Zentrum.

Das ist wie Weihnachten, wenn sich alle um das Kind in der Krippe scharen. Das ist wie Weihnachten, wenn meine Seele berührt wird, wenn mein Herz für andere schlägt, wenn sich meine Zunge löst zum Lob Gottes.

Zacharias besingt die “herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes”, das „Licht aus der Höhe” für die, die in der Finsternis und im Schatten des Todes sitzen. Die im Dunkeln sieht man nicht. Oft höre ich sie auch nicht, weil sie stumm geworden sind, und meine Ohren taub. Zacharias singt für sie sein Lied der Hoffnung und des Glaubens, sein Weihnachtslied. Einem, der den Zweifel und die Sprachlosigkeit kennt, nehme ich das am ehesten ab.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Advent Gottes, das Geschenk des Lichts, die Gabe der Sprache, ein offenes Herz!

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