Dekanat Rodgau

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Nicht allein.

von Pfarrerin Kornelia Kachunga, Evangelische Kirchengemeinde Obertshausen

"Nicht allein“ - so lautet das Motto der diesjährigen Frühjahrs-Impulspost der EKHN, die in den kommenden Tagen in Ihr Haus flattern wird, wenn Sie Mitglied unserer Landeskirche sind. Also schauen Sie genau hin, wenn Sie Ihre Post sortieren. Der längliche, rot gehaltene Umschlag könnte auch an Werbung erinnern. Wenn Sie das Wort „Familienangelegenheit“ lesen, dann öffnen Sie getrost den Umschlag: Es lohnt sich!

Immer wieder sprechen Christen davon, dass wir durch den Glauben an Christus und die Erfüllung mit dem Heiligen Geist zu Kindern Gottes werden, also Mitglied in einer großen Familie. Der eine oder andere Geistliche spricht auch schon mal gerne von Brüdern und Schwestern im Glauben. Der Begriff der „Familie“ ist also gang und gäbe in christlichen Kreisen.

Aber wie ist unsere Lebenserfahrung mit dem Begriff „Familie“? Die ist oft sehr vielfältig und selten so ideal wie es gemeinhin gepredigt und erhofft wird. Die EKHN hat dazu einen knackigen Kurzfilm erstellt, den Sie sich hier anschauen können.

Allerdings werde ich beim Schauen des Filmes nachdenklich. Ich erinnere mich an einen Satz aus einem Film meiner Jugendzeit (Originaltitel „Some kind of wonderful“ 1987). Da heißt es: „Ich möchte lieber aus den richtigen Gründen allein als aus den falschen Gründen mit jemandem zusammen sein.“

Dieser Satz  hat mich seitdem begleitet. Gemeinschaft um jeden Preis? Nein. Viele Patchworkfamilien (nicht alle!) entstehen aber genau aus diesen „falschen“ Gründen. Affären und Seitensprünge führen zu Scheidungen. Kinder leiden. Verlassene Menschen mit zerbrochenen Herzen und enttäuschten Erwartungen retten sich in neue Beziehungen, weil sie eben nicht allein sein können. Das kann gut gehen, muss aber nicht.

Meine Beobachtung ist eher die, dass nach außen hin oft die „heile“ Welt gespielt wird (egal ob Erst-Ehe oder Patchwork, egal ob Homo-Ehe oder Hetero) und dass hinter den Kulissen doch Bedürfnisse ungestillt bleiben, Verletzungen erlebt werden und echte Einsamkeit sich breit macht.

„Allein allein“ so lautete vor ein paar Jahren ein bekanntes Lied der Musikband „Polarkreis 18“. Im Refrain heißt es: „We look into faces, wait for a sign, wir sind allein.“ Dieses Lebensgefühl gibt es noch immer in unserer Welt, obwohl die vielen medialen sozialen Netzwerke etwas ganz anderes suggerieren. Ja, wir warten auf ein Zeichen. Wir warten darauf, dass einer unsere innere und unsichtbare und oft verdrängte Einsamkeit erfüllt und befriedigt. Und sie wird es nicht durch eine menschliche Partnerschaft, so schön diese sein kann und sein sollte.

„Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.“ (1. Mose 2, 18)  Davon bin ich überzeugt. Gott hat den Menschen als Beziehungswesen geschaffen. Gott selbst ist ein Gott, der Beziehung zum Menschen will. Aber nicht jede Beziehung unter uns Menschen tut uns gut und erfüllt uns. Nicht jede Beziehung ist von Gott gewollt und behebt Einsamkeit.

Derjenige, der allein unsere innersten Bedürfnisse stillen kann, ist der, zu dessen Ebenbild wir geschaffen sind: Gott. ER allein bringt die Einsamen nach Hause (Psalm 68,7). Zu sich. Das ist das Zeichen, auf das wir warten und das uns schon längst gegeben ist.

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